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Samstag, 27. November 2010

und ist leben nicht

und ist leben: nicht -
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Ich muß jeden Tag um mein Ueberleben kämpfen, so knapp sind die Gelder. Etwas zum Anziehen haben, daß die Unterkleider nicht: zerrissen sind, und richtige ja richtige: Schuhe haben, und Kleider, die mir nicht frend sind, und zu essen den Thee, die Zeitungen –

Ich, ich lebe nicht mehr so wie die Menschen, mit denen ich aufwuchs. Meine Gedanken sind Tag um Tag beim: ueberleben, sind nicht: zu leben, diese Welt –

Und sie, die mir die Gelder geben, und sagen: eine Grenze – und sind die, die mir mein Leben nehmen, meine Vergangenheit, und meine Zukunft – die mir mein Leben entzweibrechen, alle Zusammenhänge auflösen –

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Jan Johan van Velde
geschrieben am 19. Februar 2006;
neu veröffentlicht am 27. November 2010

unsicher um mich schauend

Unsicher um mich schauend -
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Unsicher um mich schauend am 2. Januar


Die Noth und das blanke Entsetzen begleiten mich, da ich gehe, in diesen trüben Nachmittag hinein. Ich gehe in Lumpen, und nur die Strümpfe und Unterkleider sind von mir ausgesucht, von mir: bezahlt –

Ich gehe in Lumpen, gehe in Kleidern, die andere trugen vor mir – das Hemd, der Pullover, die Hose. Der Mantel, den ich fand: in der Kleiderstube der Inneren Mission. Die Turnschuhe, die ich zwei Jahre von hier kaufte, für ein Dauerlaufen im Bürgerinnen Park, und comptoire, ich: kam nicht dazu. Und trage diese Schuhe auf, jetzt, und die Sohlen werden dünner und dünner: da ich gehe. Und ich gehe, weil ich nicht zu bezahlen vermag: eine Fahrt mit der Straßenbahn.

Ich gehe in Lumpen. Noth und blankes Entsetzen begleiten mich.

Unsicher um mich schauend –

ich vermag mich nicht zu schützen, nicht mit dem Arbeitslosengeld, das sie mir geben. Für Hustensaft, für Vitaminpräparate, für jenen wie wunderbaren Sanddorn Sirup aus dem Reformhaus: habe: ich: kein: Geld –

Was ist das, ein Schal. Was sind Stoffe, Farben. Was ist das, Duft, und was ist Klang, Klang. Einen Schal, ich vermag ihn nicht zu bezahlen. Und erinnere mich, an breite shawls aus weicher Wolle, die mich wärmten, da ich ging –

Unsicher um mich schauend –

ich vermag mich nicht zu schützen, eine Vorsorgeuntersuchung für meine Augen kostet 19 Taler, ich habe, wenn ich sehr genau achtgebe, etwa ein bis zwei Taler pro Tag für ein: aufzuheben –

Was ist das, ein Leben in Freiheit und Würde.

Ich, aber, gehe in Lumpen. Noth und blankes Entsetzen begleiten mich.

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Jan Johan van Velde
geschrieben am 2. Januar 2006
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